Das Forum für finanzielle und ökonomische Bildung ist ein Journal für anwendungsorientierte Forschung und Wissenstransfer in der finanziellen und ökonomischen Bildung. Es bereitet aktuelle Themen fundiert, verständlich und praxisnah auf und bietet Mehrwert für Wissenschaft, Politik und Bildungspraxis. Jede Ausgabe ist einem thematischen Schwerpunkt gewidmet und verbindet verschiedene Perspektiven aus Forschung, Praxis und gesellschaftlicher Debatte. Das Forum entsteht im Rahmen des Verbundprojekts MetaFin, das vom Institut für Ökonomische Bildung (Universität Oldenburg) gemeinsam mit dem Mannheim Institute for Financial Education (Universität Mannheim und ZEW) umgesetzt wird. Das Verbundprojekt ist eingebettet in das vom BMBFSFJ geförderte Rahmenprogramm „Empirische Bildungsforschung“ und wird im Kontext der Förderlinie zur Finanzbildungsforschung im Dachprojekt „MetaFin – Metavorhaben Finanzielle Bildung“ realisiert. Ziel des Projekts ist es, Forschungsaktivitäten zur finanziellen Bildung zu vernetzen, wissenschaftliche Erkenntnisse systematisch aufzubereiten und deren Transfer in Bildungspraxis und Politik zu stärken. Herausgegeben wird die Zeitschrift von Prof. Dr. Dirk Loerwald (Institut für Ökonomische Bildung und Universität Oldenburg) und Prof. Dr. Carmela Aprea (Universität Mannheim, Direktorin des Mannheim Institute for Financial Education) und dem Wochenschau Verlag.
Forum für finanzielle und ökonomische Bildung 2026/1
Behutsame Transformation
Von Nils Goldschmidt
kurzgefasst: Maßvolle Transformation statt radikale Veränderungsprozesse als Antwort auf die Krisen unserer Zeit – dafür plädiert dieser Beitrag und fordert statt disruptiver Politik behutsame Reformen, Kompromissbereitschaft, Vertrauen in Institutionen und den Mittelstand sowie eine flexible Stabilität. Ziel ist eine resiliente Gesellschaft, die Wandel gestaltet, ohne Bewährtes zu zerstören – im Geist der Sozialen Marktwirtschaft als Friedens- und Ausgleichsprojekt.
Finanzielle Bildung ist Teil der Grundbildung
Interview mit Karin Prien
Karin Prien ist seit dem 6. Mai 2025 Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Die CDU-Politikerin wurde am 26. Juni 1965 in Amsterdam geboren und trat 1981 in die Christlich Demokratische Union ein. Von 2011 bis 2017 gehörte sie der Hamburgischen Bürgerschaft an. Anschließend war sie von 2017 bis 2025 Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Schleswig-Holstein und übernahm 2022 die Präsidentschaft der Kultusministerkonferenz. Seit Januar 2022 ist sie zudem stellvertretende Bundesvorsitzende der CDU.
Transformation im 21. Jahrhundert
Entwicklungen und Implikationen für die finanzielle und ökonomische Bildung von Carmela Aprea & Dirk Loerwald
kurzgefasst: In vielen Bereich von Wirtschaft, Gesellschaft und Politik sind dynamische Transformationsprozesse zu beobachten. Digitalisierung, Dekarbonisierung, demografischer Wandel und De-Globalisierung implizieren ökonomische Chancen und Herausforderungen in individuellen Lebenssituationen, für unternehmerisches Handeln und hinsichtlich der Gestaltung wirtschaftspolitischer Rahmenbedingungen. Daraus ergeben sich wiederum neue Anforderungen an die finanzielle und ökonomische Bildung; insbesondere mit Blick auf die Förderung einer sachgerechten und verantwortungsbewussten Urteils- und Entscheidungskompetenz.
Überblick über die Projekte der Förderrichtlinie „Finanzbildungsforschung“
Eine Bestandsaufnahme von Tabea Bucher-Koenen, Sera Yildiz & Youpeng Zhang
kurzgefasst: Wie vielfältig ist aktuelle Forschung zu finanzieller Bildung in Deutschland? Die Bestandsaufnahme zur Förderrichtlinie „Forschung zu finanzieller Bildung“ eröffnet einen kompakten Einblick in die 28 geförderten Einzel- und Verbundprojekte mit ihren unterschiedlichen disziplinären, methodischen und praxisnahen Zugängen. Welche Themen und Zielgruppen stehen im Fokus, welche Methoden kommen zum Einsatz, mit welchen Praxispartnern wird zusammengearbeitet? Die Projekte werden im Hinblick auf ihr Potenzial für wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn und praxisorientierten Austausch erfasst und eingeordnet.
Digitale und nachhaltige Transformationen – together forever?!
von Ines Oldenburg & Jorge Marx Gómez
kurzgefasst: Wir sprechen gerne von der digitalen und der nachhaltigen Transformation, als wären es zwei parallel verlaufende Erfolgsgeschichten. Doch genau diese Trennung ist zu einfach gedacht, ja vielleicht sogar naiv. Digitalisierung und Nachhaltigkeit sind keine harmonische Doppelbewegung – sie stehen in einem Machtkampf um die Zukunft. Die zentrale Frage ist: Führt Digitalisierung zu mehr Nachhaltigkeit oder treibt sie die Ausbeutung der Erde voran? Diese Frage sollte nicht nur wissenschaftlich, sondern auch gesellschaftlich diskutiert werden. Denn beide Transformationsprozesse greifen tief in soziale, wirtschaftliche und ökologische Systeme ein und erzeugen neue Macht- und Abhängigkeitsverhältnisse.
Mit der Deutschen Bundesbank in die Welt des Geldes eintauchen
von Andreas Kaun
kurzgefasst: Wie funktionieren Geld, Zentralbank und Finanzsystem? Das Bildungsangebot der Deutschen Bundesbank vermittelt dazu grundlegendes Wissen und fördert so ein Verständnis ihrer Rolle für Wirtschaft und Gesellschaft. Dafür steht ein vielfältiges Angebot bereit: Neben vielfältigen Online- und Printmaterialien sowie Vortragsveranstaltungen bundesweit auch das Geldmuseum in Frankfurt/M.
Handeln reflektieren, Strukturen verstehen
Finanzbildung in Zeiten eines Finanzsystems im digitalen Wandel von Caroline Marburger, Erik Meyer, Susanne Rotthege & Anne Ulmen
kurzgefasst: Braucht es angesichts der digitalen Transformation des Finanzsystems eine neue Form der Finanzbildung? Dieser Frage widmete sich ein gemeinsamer Workshop des Bundesbildungsministeriums und des Zentrums verantwortungsbewusste Digitalisierung (www.zevedi.de), der am 3. und 4. November 2025 Wissenschaft, Bildungspraxis und weitere Stakeholder zusammenbrachte. Im Fokus standen die sozioökonomischen, gesamt gesellschaftlichen und politischen Dimensionen des Wandels sowie dessen Folgen und die angemessene Adressierung dieser. Neben historischen Entwicklungslinien, dem Status Quo und den juristischen Grundlagen des Finanzsystems werden die zentralen Diskussionslinien der Veranstaltung aufgegriffen und zu einem Überblick über die aktuellen Herausforderungen und Perspektiven einer zukunftsfähigen Finanzbildung verdichtet.
Digitale Lernwelten der Zukunft gestalten
Herausforderungen der digitalen Transformation für die Lehrpersonenfortbildung von Jens Klusmeyer
kurzgefasst: Die digitale Transformation stellt (Berufs-)Schulen und den ökonomischen Unterricht grundlegend auf den Prüfstand. Wie können Lehrpersonen Schülerinnen und Schüler kompetent auf die digitale Arbeits- und Lebenswelt vorbereiten? Der Schlüssel liegt in ihrer eigenen digitalen Kompetenz und in wirkungsvollen Fortbildungen. Gezielte Lehrpersonenfortbildung ist deswegen unverzichtbar, aber wie gelingt der Wissenstransfer in die Praxis? Das wird anhand von Kriterien für erfolgreiche Fortbildungsformate konkretisiert. Am Beispiel des Projektverbunds „WÖRLD“ werden zudem innovative digitale Fortbildungskonzepte vorgestellt und kritisch diskutiert.
A Case for a Separate Subject?
Financial and Economic Education in Finland by Panu Kalmi
kurzgefasst: Financial and economic education in Finland is taught across several school subjects rather than as a stand-alone course. Interest in financial literacy has increased with the national strategy and third-party programs. Challenges remain in teacher training and in coordinating cross-curricular teaching. It is sometimes debated whether economics should be given the status of an independent subject, but so far that has not been the case.
Climate Literacy und der Beitrag der ökonomischen Bildung
von Franziska Birke, Magdalena Stadler, Werner Rieß & Monika Martin
kurzgefasst: Worin sollten Lernende gefördert werden, um Klimaprobleme zu lösen? Climate Literacy gilt als zentrales Ziel der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) und umfasst auch Bezüge zu der ökonomischen Bildung. Dieser Beitrag präsentiert einen eigens zur Messung von Climate Literacy von Schülerinnen und Schülern entwickelten Test und diskutiert ausgewählte Ergebnisse mit Blick auf die ökonomische Bildung.
Abstinenz, Renitenz oder Governance?
Strategien für Nachhaltigkeitstransformation und BNE von Gerhard Minnameier
Dass wir der globalen Erwärmung entgegenwirken müssen, ist unstrittig. Die Frage, wie wir das schaffen können, ist es nicht. „Wir“, das sind angesichts der Problemlage die über 8 Mrd. Menschen, die aktuell die Erde bevölkern. Wie können wir uns in der Welt so koordinieren, dass möglichst alle an einem Strang ziehen? Die aktuelle Strategie der UNESCO und der unter ihr vereinten Staaten besteht darin, in zweierlei Hinsicht zu mobilisieren: Im persönlichen Leben soll man sich einen nachhaltigen Lebensstil zu eigen machen; im öffentlichen Leben soll man für Nachhaltigkeit auf die Straße gehen und die Politik dadurch zu einem Wandel und zu einer Abkehr von einer grenzenlosen Wachstumspolitik bewegen…
Stärkung der Finanzbildungsforschung
Die BMBFSFJ-Förderrichtlinie und das Verbundprojekt „MetaFin“ von Carmela Aprea, Tabea Bucher-Koenen & Dirk Loerwald
Finanzielle Bildung ist keine Spezialbildung für Finanzmarktakteure, sondern eine zentrale Kompetenz für alle Menschen – zur Bewältigung des Alltags, zur Orientierung in einer komplexer werdenden Welt und für eine aktive, reflektierte Teilhabe an Wirtschaft und Gesellschaft. Angesichts tiefgreifender ökonomischer, technologischer und gesellschaftlicher Transformationsprozesse – etwa demografischem Wandel, veränderten Erwerbsformen oder der zunehmenden Digitalisierung und Komplexität von Finanzprodukten – gewinnt sie weiter an Bedeutung…
Ein Fall für ein eigenes Fach Wirtschaft?
Finanzielle und ökonomische Bildung in Finnland von Panu Kalmi
kurzgefasst: Finanzielle und ökonomische Bildung wird über verschiedene Fächer hinweg unterrichtet. Angetrieben durch eine nationale Strategie sowie Programme von Drittanbietenden hat das Interesse an finanzieller Bildung (financial literacy) zugenommen. Gleichzeitig bleiben zentrale Herausforderungen bestehen, insbesondere in der Lehrkräfteausbildung und in der Koordinierung des fächerübergreifenden Unterrichts. Vor diesem Hintergrund wird kontrovers diskutiert, ob Wirtschaftswissenschaften als eigenständiges Fach etabliert werden sollten.
Buchempfehlungen
Christian Stöcker: Die Große Beschleunigung | Maja Göpel: Werte | Hans Rosling, Anna Rosling Rönnlund, Ola Rosling: Factfulness
Christian Stöcker: Die Große Beschleunigung. Klimawandel, Digitalisierung, Wirtschaftswachstum – wie wir uns in einer sich exponentiell verändernden Welt behaupten können. München 2023 (Pantheon Verlag), 384 Seiten, 16€. Christian Stöcker liefert eine lesenswerte Analyse der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Transformationsprozesse. Ein zentraler Schwerpunkt liegt dabei auf dem exponentiellen Wachstum technologischer, ökologischer, ökonomischer und gesellschaftlicher Entwicklungen…
Editorial
von Carmela Aprea und Dirk Loerwald
Liebe Leserinnen und Leser, in den vergangenen Jahren ist die Wirtschafts- und Finanzbildung spürbar in den Fokus gerückt – nicht zuletzt als Reaktion auf die Finanz- und Wirtschaftskrise ab 2007. Bildungspolitisch zeigt sich das in nationalen und internationalen Initiativen zur Stärkung finanzieller Kompetenz und in der wachsenden Präsenz ökonomischer Inhalte in den Lehrplänen verschiedener Bundesländer. Parallel dazu hat auch die Forschung stark an Fahrt aufgenommen: Publikationen entstehen in immer größerer Zahl, die eingesetzten Methoden werden komplexer, und damit wächst die wissenschaftliche Grundlage für fundierte Entscheidungen in Bildungspraxis und -politik. Genau an dieser Schnittstelle setzt das forum an…
